02 Feb. „Susanne“ vom Bundesnachrichtendienst (BND) zu Gast: Fragen erlaubt, Details geheim!
Im Rahmen einer Online-Veranstaltung gewährte eine Vertreterin der Presseabteilung des Bundesnachrichtendienstes (BND) unseren Schülerinnen und Schülern der internen Begabtenförderung am PKG einen anschaulichen Einblick in Struktur, Aufgabenfelder und Karrierewege beim deutschen Auslandsnachrichtendienst. Die Referentin stellte sich mit dem frei gewählten Namen „Susanne“ vor – sie betonte ausdrücklich, dass dies nur ein beliebiger Anredename sei und dass sie im Laufe ihrer Tätigkeit beim BND bereits viele verschiedene Namen genutzt habe. Dieser Hinweis verdeutlichte die besondere Sensibilität des Tätigkeitsfeldes und den hohen Stellenwert von Anonymität und Identitätsschutz. Die Referentin führte aus, dass der BND der Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland sei und der Fachaufsicht des Bundeskanzleramts untersteht. Er ist Teil der deutschen Sicherheitsarchitektur neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV, Inland) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD, militärischer Bereich). Der Kernauftrag ist die Gewinnung von Informationen aus dem Ausland, die für die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit der Bundesregierung relevant sind. Dazu gehören u.a. die Terrorismusbekämpfung, Proliferationskontrolle (Kontrolle der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen), Cyber- und hybride Bedrohungen, organisierte Kriminalität mit Auslandsbezug, regionale Krisenanalysen und sicherheitsrelevante Informationen zur Wirtschafts- und Technologieentwicklungen. Hierbei arbeitet der BND überwiegend mit offenen Quellen (OSINT), nachrichtendienstlicher Aufklärung menschlicher Quellen (HUMINT) sowie technischen Mitteln (SIGINT) im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.
Auf die sehr konkreten Nachfragen zum Aufbau menschlicher Quellen blieb die Referentin erwartungsgemäß zurückhaltend. Sie nannte zwei grundsätzliche Wege. Eine Möglichkeit sei, dass Personen eigeninitiativ an den BND herantreten und Informationen anbieten. Als weitere Quelle baue der BND aber auch über oftmals lange Zeiträume hinweg Vertrauensverhältnisse zu möglichen Informanten auf und entwickelt so diese Quellen. Weitere operative Details, einschließlich Methoden, Schutzmaßnahmen oder regionale Schwerpunktsetzungen, wurden aus Sicherheitsgründen nicht erläutert.
Bei Nachfragen zur personellen oder finanziellen Ausstattung äußerte sich die Referentin zurückhaltend, nannte jedoch die Gesamtzahl der Beschäftigten und erläuterte die Standortstruktur. So beschäftigt der BND mehrere Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielfältigen Berufsgruppen, u.a. auf den Gebieten Analyse, Technik/IT, Sprach- und Regionalexpertise, operative Arbeit, Recht, Verwaltung. Der Dienst unterliegt dabei einer mehrstufigen parlamentarischen und gerichtlichen Kontrolle und wird nur dann tätig, wenn es einen konkreten Auftrag gibt, d.h. nie eigeninitiativ. Zu den Tätigkeitsfeldern und Arbeitsweisen führte die Referentin aus, dass darunter etwa die Erstellung strategischer und operativer Lageeinschätzungen für die Bundesregierung und nachgeordneter Behörden, die technische Aufklärung durch die Erhebung und Auswertung technischer Signale und Kommunikation zur Erkennung von Bedrohungen, das Aufspüren ausländischer cybergestützter Spionage und Sabotage, der Auf- und Ausbau einer technischen Resilienz sowie die forensische Auswertung falle. Weiter ist der BND auch für eine Krisenfrüherkennung, d.h. die Beobachtung geopolitischer Entwicklungen, Konfliktdynamiken, Migrations- und Energiefragen mit Sicherheitsrelevanz sowie die Unterstützung von Einsatzkräften, etwa durch Lageinformationen für die Bundeswehr im Auslandseinsatz und ebenfalls für eine ressortübergreifende Krisenreaktion verantwortlich.
Die Hauptzentrale des BND befindet sich in Berlin-Mitte. Die Entscheidung für Berlin wurde u. a. mit der Nähe zur Bundesregierung, den Ministerien, den ausländischen Botschaften, Think Tanks und Medien begründet – kurze Wege für Abstimmungen und eine schnelle Lagekommunikation. Ein weiterer großer Standort ist Pullach bei München, der ursprünglich Sitz des BND in der Nachkriegszeit war.
Zu den Themen Karriereweg und Berufschance verweis die Referentin auf die besonderen Anforderungen. Erforderlich sind die deutsche Staatsangehörigkeit, eine erfolgreiche Sicherheitsüberprüfung, Integrität, Verschwiegenheit, Teamfähigkeit und Belastbarkeit sowie die Bereitschaft zu nationalen und internationalen Verwendungen. Gesucht und benötigt werden dabei vielfältige Ausbildungen und Kompetenzen.
Am Ende unterstrich die Referentin den Spagat zwischen notwendiger öffentlicher Transparenz, demokratischer Kontrolle und dem Schutz von Quellen, Methoden und Fähigkeiten. Obwohl die Details geheim bleiben mussten, erhielten die beteiligten Schülerinnen und Schüler durch diese Veranstaltung einen sehr breiten Einblick in die Strukturen, Aufgabenfelder und Karrieremöglichkeiten beim BND, so dass die Susannes dieser Welt nun wahrscheinlich mit anderen Augen gesehen werden!