Latein am Gymnasium
Die Gegenwart durch den Blick in die Vergangenheit verstehen lernen
Latein in der Unter- und Mittelstufe
Der Lateinunterricht am Gymnasium lässt sich in zwei große Einheiten gliedern: die Spracherwerbsphase (Jahrgangsstufen 5 bzw. 6 bis 8) und die Lektürephase (Jahrgangsstufen 9 bis 13). Bei uns am PKG wird Latein nur als 2. Fremdsprache nach Englisch angeboten, d.h. ab der Jahrgangsstufe 6. Latein gilt als „Mutter der Sprachen“, die so schöne und rassige Töchter wie bspw. Italienisch, Spanisch oder Französisch hervorgebracht hat, um nur ein paar zu nennen, die sich vom Lateinischen ableiten.
Falls die Wahl der 2. Fremdsprache auf Latein gefallen ist, beginnt für die Schüler – zusammen mit ihren Lehrkräften – eine spannende Reise zurück in die Zeit der Römer, später in das Mittelalter und auch in die Frühe Neuzeit. Dabei lernen die Kinder bald, ihren Blick über den Tellerrand hinaus schweifen zu lassen. Wer Gefallen an der lateinischen Sprache findet, kann sie bis in die Oberstufe hinein weiterbelegen.
Die Spracherwerbsphase (Jahrgangsstufen 6 bis 8)
Am Beginn von allem steht der gründliche Erwerb lateinischer Sprachkenntnisse. Wir am PKG benutzen ein dreibändiges Lehrwerk, das alle relevanten Phänomene der Grammatik und den bis zur Lektürephase benötigten Wortschatz abdeckt. Die ersten drei Jahre des Lateinunterrichts stehen also ganz im Zeichen des Sprachunterrichts, was jedoch nicht heißt, dass kulturell-geschichtliche Aspekte der Antike oder das Sprechen über die Texte zu kurz kämen. Von den ersten Anfängen an bemüht sich Lateinunterricht darum, den Schülern verschiedenste Kompetenzen auf ihren Lebensweg mitzugeben, die weit über das Erlernen einer Fremdsprache hinausgehen.
Die Lektürephase (Jahrgangsstufen 9 bis 11)
Sind die Fundamente der Sprachkenntnisse zum Ende der 8. Klasse einmal gelegt, tritt der Lateinunterricht in eine neue Phase ein: Die Schüler bekommen ab der Jahrgangsstufe 9 Einblicke in Kernstellen der lateinischen Literatur und lernen damit zugleich auch einige der wichtigsten und größten Literaten, Denker und Lenker kennen, die die Antike zu bieten hat. So werden bspw. aus den Werken von Caesar, Nepos, Catull, Martial, Cicero, Plinius, Ovid, Seneca u. v. m. gelesen. Doch der Lektüreunterricht bleibt nicht beim „Guckloch Antike“ stehen. Auch mittelalterliche und neuzeitliche Autoren werden vorgestellt, so etwa bspw. Einhard mit seiner Vita Karls des Großen, Jacobus de Voragine oder auch die gerade in Bayern berühmten Carmina Burana. Selbst Latein abseits des Bücherkanons findet Eingang in den Unterricht. In der 10. Klasse sind Inschriften in lateinischer Sprache Gegenstand des Unterrichts, bisweilen sogar verbunden mit einer Exkursion nach Augsburg, wo sich über das gesamte Stadtgebiet verteilt eine Vielzahl solcher Inschriften erhalten hat.
Ab der 10. Klasse ist bei schriftlichen Leitungsnachweisen im Fach Latein der Gebrauch eines vom Ministerium genehmigten Wörterbuchs erlaubt (-> „Grundwissen, Leistungsnachweise, Prüfungen“ -> „Hilfsmittel bei der Anfertigung von schriftl. Leistungsnachweisen und in der Abiturprüfung im Bereich der Alten Sprachen“). Am PKG ist das „Große Schulwörterbuch Lateinisch – Deutsch“ von Langenscheidt das am meisten verwendete; aber natürlich ist auch jedes andere zugelassene Wörterbuch erlaubt. Damit die Schüler nicht sinnlos im Wörterbuch herumblättern, ist im Lateinlesebuch der 9. Klasse ein Methodenkapitel enthalten, das sich mit dem Gebrauch des Wörterbuches auseinandersetzt. Der Umgang mit dem Wörterbuch im Kleinen wird damit bereits an verschiedenen Stellen des Lateinunterrichts in der Jahrgangsstufe 9 eingeübt.
Latein in der Oberstufe (Q 12 und Q 13)
Quaedam tempora eripiuntur nobis, quaedam subducuntur, quaedam effluunt. Turpissima tamen est iactura, quae per neglegentiam fit. Et si volueris adtendere, magna pars vitae elabitur male agentibus, maxima nihil agentibus, tota vita aliud agentibus.
Seneca, epistulae morales ad Lucilium 1,1
Manche Zeit wird uns gewaltsam geraubt, manche heimlich entwendet und manche verrinnt einfach. Der beschämendste Verlust aber ist der, den wir gleichgültigkeitshalber verursachen. Und wenn Du einmal darauf achten magst: Ein großer Teil unserer Lebenszeit vergeht, indem wir Schlechtes tun, der größte beim Nichtstun und das ganze Leben, indem wir etwas tun, was nicht unserer Bestimmung zukommt.
Übersetzung: R. Reisacher
„Est igitur“, inquit Africanus, „res publica res populi, populus auten non omnis hominum coetus quoquo modo congregatus, sed coetus multitudinis iuris consensu et utilitatis communione sociatus.“
Cicero, de re publica 1,39
„Es ist also“, sagte Africanus, „der Staat (wörtl. die öffentliche Sache) die Sache des Volkes, ein Volk jedoch ist nicht jedwede irgendwie zusammengehäufte Ansammlung an Menschen, sondern die Ansammlung einer Menge, die durch Übereinstimmung hinsichtlich der rechtlichen Norm und der Gemeinsamkeit des Nutzens verbunden ist.“
Übersetzung: R. Reisacher
Latein ist eine den modernen Fremdsprachen völlig gleichgestellte, was die Belegung von Sprachen in der Oberstufe des Bayerischen Gymnasiums angeht. Wie in jedem anderen Fach kann der Unterricht entweder auf einem grundlegenden (gA) oder erhöhten Anforderungsniveau (eA) besucht werden. Im gA hat man drei Stunden Latein pro Woche, im eA fünf Stunden. Im gA kann man Abitur in Latein machen, muss das aber unter bestimmten Umständen nicht tun, im eA hingegen ist das Abitur abzulegen verpflichtend. Dabei ist es belanglos, ob man sich für das schriftliche oder das mündliche Abitur (= Colloquium) entscheidet.
Für Schüler, die weniger daran interessiert sind, in einer Fremdsprache zu kommunizieren, sondern mehr Lust verspüren, sich mit – durchaus alltagsrelevanten – philosophischen Gedanken wie bspw. denen Senecas (s. oben) auseinanderzusetzen, die auch Neugier dafür aufbringen, womit sich antike Leser unterhalten haben lassen, wenn sie einen Roman lasen, an römischer Geschichte Gefallen finden und nicht zuletzt der Beschäftigung mit staatsgeschichtlichen bzw. staatsphilosophischen Fragestellungen (s. Cicero oben) offen gegenüberzutreten bereit sind, ist die Belegung des Faches Latein in der Oberstufe eine empfehlenswerte Option. Latein frönt auch in den letzten beiden Schuljahren nicht blindem und kaltem Utilitarismusdenken (lat. utilitas, dt. „Nutzen, Vorteil“), sondern bemüht sich als geistiger Luxus, dem man sich nach seiner Schulzeit wohl kaum mehr verschreiben wird, um die Persönlichkeitsbildung des jungen Menschen. Natürlich kann man als künftiger Abiturient diesen Vorteil der alten Sprache auch mit den Vorteilen der modernen Fremdsprachen kombinieren und sowohl Latein als auch Englisch, Französisch oder Spanisch belegen.
Die gymnasiale Oberstufe teilt sich in allen Fächern in vier Semester auf. Für Latein sind im Lehrplan als Rahmenthemen vorgegeben:
Q 12/1: Philosophandum est – philosophische Haltungen
Q 12/2: Difficile est saturam non scribere – römische Politik und Gesellschaft in satirischer Darstellung
Q 13/1: Imperium sine fine dedi – Literatur und Herrschaft im augusteischen Rom
Q 13/2: Res publica res populi – staatsphilosophische Betrachtungen
Der Unterricht in der Oberstufe unterscheidet sich im Fach Latein nicht wesentlich von dem der Mittelstufe. Grundsätzlich gilt: Mit Eintritt in die Lektürephase (also ab der Jahrgangsstufe 9) werden die Schüler auf die Anforderungen des Abiturs vorbereitet. Die Gestalt der Prüfungen verändert sich – abgesehen von der Textlänge/-schwierigkeit und einem von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe tieferes Verständnis voraussetzenden Aufgabenteil – in ihren Grundzügen gar vom Anfangsunterricht der 6. Klasse bis hin zum schriftlichen Abitur nicht. Es gibt nahezu immer einen Teil A (Übersetzung) und Teil B (Aufgabenteil). Einzige Ausnahme ist die in Q 13/1 verpflichtende Interpretationsklausur, die ohne Übersetzungsteil auskommt. Dieses Prüfungsformat wird jedoch in der Jahrgangsstufe 11 eingeübt, ggf. sogar mit einer eigenen Schulaufgabe. Mit anderen Worten: Bereits die allererste Lateinschulaufgabe der 6. Klasse ist nichts anderes als ein schriftliches Lateinabitur im Miniformat …
Nota bene! – Obacht!
Latein kann nicht nur als Sprache in der Qualifikationsphase belegt werden, sondern auch als W-Seminar. Bereits in Jahrgangsstufe 11, also noch vor der eigentlichen Qualifikationsphase zum Abitur, kann man ein lateinisches P-Seminar besuchen. Dazu gab es am PKG immer wieder entsprechende Angebote (s. dazu auch „Lehre innovativ! – Vernetztes Lernen“)!