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Der vierfache Schriftsinn

Unnüt­zes Wis­sen Teil III

Heu­te wird das Wis­sen, das die Welt nicht braucht, theo­lo­gisch, bes­ser gesagt biblisch!

Der vier­fa­che Schriftsinn (lat. quat­tu­or sen­sus scrip­tu­rae) bezeich­net die Art der christ­li­chen Bibel­in­ter­per­ta­ti­on bis ins spä­te Mit­tel­al­ter. Die­se nimmt an, dass man einen Bibel­text auf vier­fa­che Art und Wei­se lesen kann. Da ist zuerst die wört­li­che, also das, was auf dem Blatt steht. Dann gibt es aber auch noch den alle­go­ri­schen Sinn, also was der Text als Alle­go­rie (gr. ἀλληγορία, Meta­pher, die auf einen grö­ße­ren Text­zu­sam­men­hang aus­ge­dehnt ist; bes­ser jedoch merkt man sich: Alle­go­rie = bild­li­che Ver­schlüs­se­lung abs­trak­ter Ideen) auf die Glau­bens­wirk­lich­keit bedeu­ten kann. Zum Drit­ten exis­tiert der mora­li­sche Schriftsinn, der dem Gläu­bi­gen eine Hand­lungs­an­wei­sung für mora­lisch gute Taten an die Hand gibt und der letz­te Sinn ist der anago­gi­sche (gr. ἀναγωγή „Hin­auf­füh­rung“), der dem glau­ben­den Men­schen Hoff­nung spendet.

Mer­ken lässt sich dies mit einem latei­ni­schen Zwei­zei­ler im Hexameter:

Lit­te­ra ges­ta docet, quid cre­das, allegoria,
mora­lis, quid agas, quo ten­das, anagogia.

Der Buch­sta­be lehrt die Taten, was Du glau­ben sollst, die Allegorie,
die Moral, was Du tun sollst, wohin Du stre­ben sollst, die Anagogie.

Übri­gens: Erst mit Mar­tin Luther kam die­se Art der Schrift­aus­le­gung außer Mode …