Kontakt

Paul-Klee-Gymnasium
Schubertstraße 68
86368 Gersthofen

sekretariat@gymgersthofen.de

T 0821 3102-7201

F 0821 3102-8220

Schnellzugriff

„Susan­ne“ vom Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) zu Gast: Fra­gen erlaubt, Details geheim!

Im Rah­men einer Online-Ver­an­stal­tung gewähr­te eine Ver­tre­te­rin der Pres­se­ab­tei­lung des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes (BND) unse­ren Schü­le­rin­nen und Schü­lern der inter­nen Begab­ten­för­de­rung am PKG einen anschau­li­chen Ein­blick in Struk­tur, Auf­ga­ben­fel­der und Kar­rie­re­we­ge beim deut­schen Aus­lands­nach­rich­ten­dienst. Die Refe­ren­tin stell­te sich mit dem frei gewähl­ten Namen „Susan­ne“ vor – sie beton­te aus­drück­lich, dass dies nur ein belie­bi­ger Anre­de­na­me sei und dass sie im Lau­fe ihrer Tätig­keit beim BND bereits vie­le ver­schie­de­ne Namen genutzt habe. Die­ser Hin­weis ver­deut­lich­te die beson­de­re Sen­si­bi­li­tät des Tätig­keits­fel­des und den hohen Stel­len­wert von Anony­mi­tät und Iden­ti­täts­schutz. Die Refe­ren­tin führ­te aus, dass der BND der Aus­lands­nach­rich­ten­dienst der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sei und der Fach­auf­sicht des Bun­des­kanz­ler­amts unter­steht. Er ist Teil der deut­schen Sicher­heits­ar­chi­tek­tur neben dem Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV, Inland) und dem Mili­tä­ri­schen Abschirm­dienst (MAD, mili­tä­ri­scher Bereich). Der Kern­auf­trag ist die Gewin­nung von Infor­ma­tio­nen aus dem Aus­land, die für die außen- und sicher­heits­po­li­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit der Bun­des­re­gie­rung rele­vant sind. Dazu gehö­ren u.a. die Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung, Pro­li­fe­ra­ti­ons­kon­trol­le (Kon­trol­le der Wei­ter­ver­brei­tung von Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen), Cyber- und hybri­de Bedro­hun­gen, orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät mit Aus­lands­be­zug, regio­na­le Kri­sen­ana­ly­sen und sicher­heits­re­le­van­te Infor­ma­tio­nen zur Wirt­schafts- und Tech­no­lo­gie­ent­wick­lun­gen. Hier­bei arbei­tet der BND über­wie­gend mit offe­nen Quel­len (OSINT), nach­rich­ten­dienst­li­cher Auf­klä­rung mensch­li­cher Quel­len (HUMINT) sowie tech­ni­schen Mit­teln (SIG­INT) im Rah­men der gesetz­li­chen Vorgaben.

Auf die sehr kon­kre­ten Nach­fra­gen zum Auf­bau mensch­li­cher Quel­len blieb die Refe­ren­tin erwar­tungs­ge­mäß zurück­hal­tend. Sie nann­te zwei grund­sätz­li­che Wege. Eine Mög­lich­keit sei, dass Per­so­nen eigen­in­itia­tiv an den BND her­an­tre­ten und Infor­ma­tio­nen anbie­ten. Als wei­te­re Quel­le baue der BND aber auch über oft­mals lan­ge Zeit­räu­me hin­weg Ver­trau­ens­ver­hält­nis­se zu mög­li­chen Infor­man­ten auf und ent­wi­ckelt so die­se Quel­len. Wei­te­re ope­ra­ti­ve Details, ein­schließ­lich Metho­den, Schutz­maß­nah­men oder regio­na­le Schwer­punkt­set­zun­gen, wur­den aus Sicher­heits­grün­den nicht erläutert.

Bei Nach­fra­gen zur per­so­nel­len oder finan­zi­el­len Aus­stat­tung äußer­te sich die Refe­ren­tin zurück­hal­tend, nann­te jedoch die Gesamt­zahl der Beschäf­tig­ten und erläu­ter­te die Stand­ort­struk­tur. So beschäf­tigt der BND meh­re­re Tau­send Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in viel­fäl­ti­gen Berufs­grup­pen, u.a. auf den Gebie­ten Ana­ly­se, Technik/IT, Sprach- und Regio­nal­ex­per­ti­se, ope­ra­ti­ve Arbeit, Recht, Ver­wal­tung. Der Dienst unter­liegt dabei einer mehr­stu­fi­gen par­la­men­ta­ri­schen und gericht­li­chen Kon­trol­le und wird nur dann tätig, wenn es einen kon­kre­ten Auf­trag gibt, d.h. nie eigen­in­itia­tiv. Zu den Tätig­keits­fel­dern und Arbeits­wei­sen führ­te die Refe­ren­tin aus, dass dar­un­ter etwa die Erstel­lung stra­te­gi­scher und ope­ra­ti­ver Lage­ein­schät­zun­gen für die Bun­des­re­gie­rung und nach­ge­ord­ne­ter Behör­den, die tech­ni­sche Auf­klä­rung durch die Erhe­bung und Aus­wer­tung tech­ni­scher Signa­le und Kom­mu­ni­ka­ti­on zur Erken­nung von Bedro­hun­gen, das Auf­spü­ren aus­län­di­scher cyber­ge­stütz­ter Spio­na­ge und Sabo­ta­ge, der Auf- und Aus­bau einer tech­ni­schen Resi­li­enz sowie die foren­si­sche Aus­wer­tung fal­le. Wei­ter ist der BND auch für eine Kri­sen­früh­erken­nung, d.h. die Beob­ach­tung geo­po­li­ti­scher Ent­wick­lun­gen, Kon­flikt­dy­na­mi­ken, Migra­ti­ons- und Ener­gie­fra­gen mit Sicher­heits­re­le­vanz sowie die Unter­stüt­zung von Ein­satz­kräf­ten, etwa durch Lage­infor­ma­tio­nen für die Bun­des­wehr im Aus­lands­ein­satz und eben­falls für eine res­sort­über­grei­fen­de Kri­sen­re­ak­ti­on verantwortlich.

Die Haupt­zen­tra­le des BND befin­det sich in Ber­lin-Mit­te. Die Ent­schei­dung für Ber­lin wur­de u. a. mit der Nähe zur Bun­des­re­gie­rung, den Minis­te­ri­en, den aus­län­di­schen Bot­schaf­ten, Think Tanks und Medi­en begrün­det – kur­ze Wege für Abstim­mun­gen und eine schnel­le Lage­kom­mu­ni­ka­ti­on. Ein wei­te­rer gro­ßer Stand­ort ist Pul­lach bei Mün­chen, der ursprüng­lich Sitz des BND in der Nach­kriegs­zeit war.

Zu den The­men Kar­rie­re­weg und Berufs­chan­ce ver­weis die Refe­ren­tin auf die beson­de­ren Anfor­de­run­gen. Erfor­der­lich sind die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit, eine erfolg­rei­che Sicher­heits­über­prü­fung, Inte­gri­tät, Ver­schwie­gen­heit, Team­fä­hig­keit und Belast­bar­keit sowie die Bereit­schaft zu natio­na­len und inter­na­tio­na­len Ver­wen­dun­gen. Gesucht und benö­tigt wer­den dabei viel­fäl­ti­ge Aus­bil­dun­gen und Kompetenzen.

Am Ende unter­strich die Refe­ren­tin den Spa­gat zwi­schen not­wen­di­ger öffent­li­cher Trans­pa­renz, demo­kra­ti­scher Kon­trol­le und dem Schutz von Quel­len, Metho­den und Fähig­kei­ten. Obwohl die Details geheim blei­ben muss­ten, erhiel­ten die betei­lig­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler durch die­se Ver­an­stal­tung einen sehr brei­ten Ein­blick in die Struk­tu­ren, Auf­ga­ben­fel­der und Kar­rie­re­mög­lich­kei­ten beim BND, so dass die Susan­nes die­ser Welt nun wahr­schein­lich mit ande­ren Augen gese­hen werden!

H. Auern­ha­mer